Allgemeines

Automarke Wartburg

Wartburg war der Handelsname der von 1956 bis zum 14. April 1991 im VEB Automobilwerk Eisenach gefertigten Personenkraftwagen-Baureihe des Herstellers IFA. Der Name leitet sich von der gleichnamigen Burg am Produktionsstandort Eisenach ab. Von den über 1.600.000 produzierten Fahrzeugen waren am 1. Januar 2015 in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt noch 7.244 zugelassen.

Baureihen im Überblick

Von 1956 bis 1988 wurde der Wartburg von einem Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben, der Mitte Oktober 1988 (Wartburg 1.3) durch einen von der Volkswagen AG entwickelten Vierzylinder-Viertaktmotor abgelöst wurde.


Produktionsstandorte

Ab 1966 wurden neben dem AWE Eisenach vier weitere Betriebe in die Produktion einbezogen:

  • VEB Karosseriewerke Halle (KWH, ehemals Ludwig Kathe & Sohn) – Tourist
  • VEB Karosseriewerk Dresden/Radeberg (KWD, ehemals Gläser) – Tourist-Karosserie
  • VEB Automobilwerke Ludwigsfelde – Trans
  • VEB Waggonbau Gotha – Fahrgestelle für den Wartburg 353 W und 1.3

Export

Ein erheblicher Anteil der Wartburg-Fertigung wurde exportiert. 1975 verteilte sich die Wartburg-Produktion von 54.050 Fahrzeugen wie folgt:

34.250 in den Export, 8.941 für die eigene Bevölkerung, 7.300 für Genex, 556 für Investträger, 3.003 für staatliche Organe.

 

Zu den größten Abnehmern zählten Ungarn und Polen. Der Wartburg 311 verkaufte sich auch im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet gut. Hauptmärkte waren Belgien, Finnland, Großbritannien und die Niederlande, aber auch Dänemark, Griechenland, Island und Spanien erreichten nennenswerte Absatzzahlen. Bekannt geworden ist der Export von bis zu 1215 Stück des Typs 311 in die USA im Jahr 1960, für den es auch Inserate im Playboy gab. Über den Händler Witkin in Los Angeles wurden diese Fahrzeuge zum Einstiegspreis von 1799 US$ (Cabrio: 2155 US$, Camping: 2195 US$) angeboten. In Großbritannien wurde der Wartburg 353 als Wartburg Knight verkauft.

 

Die Firma ETS François Pierreux P.V.B.A. in Brüssel agierte ab 1947 als Generalimporteur für Belgien und Luxemburg. Neben praktisch allen Wartburg-Modellen wurde auch der Kleintransporter Barkas B 1000 verkauft. Neben Komplettfahrzeugen wurden auch CKD-Bausätze importiert, die daraus entstandenen Fahrzeuge galten als in Belgien gefertigt. Das Vertriebsnetz umfasste 1971 in Belgien rund 80 Stationen/Werkstätten.

 

Ab 1956 wurden Wartburg (Zunächst IFA F9) durch Oy Rego Ab nach Finnland eingeführt. Finnland entwickelte sich in der Folge zum zahlenmäßig größten Auslandsmarkt. Ab 1971/2 übernahm Vara Haka-Auto Oy in Helsinki den Import. Zeitweise wurden bis zu 2.000 Wagen jährlich verkauft. Der Bestand betrug 1969 rund 10.000 Fahrzeuge und steigerte sich bis 1979 sogar auf rund 13.000. In den 1980er Jahren ließ aber auch hier der Verkauf nach. Wurden 1981 noch 1.146 Wagen verkauft, so waren es 1987 nur noch 402. Parallel sank der Bestand bis Ende 1988 auf 7.769 Fahrzeuge. 1999 standen noch 732 Fahrzeuge im Finnischen Register.

 

Von 1957 bis 1974 importierte die Firma De Binkhorst Auto + Motor Import N.V. in Den Haag Wartburg-Fahrzeuge in die Niederlande. Im Jahr 1973 umfasste das dortige Servicenetz rund 100 Werkstätten.

 

Im Laufe der 1970er-Jahre sanken die Verkaufszahlen im Westen. Nur wenige Länder ohne eigene Kfz-Produktion, wie Belgien, Dänemark, Finnland, Griechenland und Spanien importierten Anfang der 1980er Jahre noch Fahrzeuge in kleinen Stückzahlen.


Wartburg 353

Der Wartburg 353 ist ein Personenkraftwagen des VEB Automobilwerk Eisenach, der von 1966 bis 1988 hergestellt wurde.

Geschichte

Der 1966 eingeführte Wartburg 353 folgte in seiner Grundkonzeption mit Zweitaktmotor, Frontantrieb, Kastenprofilrahmen seinen Vorgängern, erhielt aber das mit dem Übergangsmodell Wartburg 312 eingeführte modernere wartungsfreie Fahrwerk mit 13″-Rädern, Einzelradaufhängung und Schraubenfedern rundum und eine neue, damals durchaus dem internationalen Standard entsprechende Karosserie mit einem Kofferraum von über 500 Litern, die, wie auch schon die des Wartburg 311, der Eisenacher Konstrukteur Hans Fleischer gezeichnet hatte, unterstützt von den Formgestaltern Clauss Dietel und Lutz Rudolph.

 

Das Grunddesign des 353 basierte auf der Studie eines Vollheck-Pkw von Dietel aus dem Jahr 1962, aus der Fleischer das Design der 353-Limousine ableitete. Dietel wirkte zudem an der Farbgestaltung des Innenraums und der Formgestaltung einiger Innenraumbauteile mit. Ob Clauss Dietel oder Hans Fleischer den maßgeblicheren Anteil am Design des 353 hatte, ist unter Fachleuten und Zeitzeugen strittig. Als Rechtslenkerausführung wurde das Fahrzeug in Großbritannien unter der Bezeichnung Wartburg Knight (zu deutsch: „Wartburg-Ritter“) vermarktet, bis er 1974 wegen des nicht mehr zeitgemäßen Zweitaktmotors nicht mehr importiert werden durfte.

Modellentwicklung

Das Übergangsmodell Wartburg 312 mit der Karosserie des Wartburg 311 und dem Rahmen des späteren Wartburg 353 wurde am 1. September 1965 ab der Fahrgestellnummer 65.533 eingeführt. Ab dem 1. Juni 1966 erhielten die Fahrzeuge ab Fahrgestellnummer 01.30 001 die neue Karosserie, verbunden mit einer Änderung der Typbezeichnung von „1000“ in „353“. Ein neues Getriebe erhielten seit dem 1. Juli 1966 alle Fahrzeuge ab der Fahrgestellnummer 02.14 001.

 

Die Einführung der in den Karosseriewerken Halle und Dresden gefertigten Kombivariante Wartburg Tourist erfolgte 1968. Heckklappe und hintere Kotflügel wurden aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Zunächst wurde der Tourist mit geschlossener C-Säule gefertigt, 1970 wurde eine Zwangsentlüftung mit Luftauslässen in der C-Säule eingeführt.

 

Ab Fahrgestellnummer 04.10 474 erfolgte am 6. Mai 1969 die Einführung des neuen Motors vom Typ 353-1 mit 36,8 kW. Seit dem 3. März 1975/ab Fahrgestellnummer 10.06 948 wurde das Fahrzeug als Wartburg 353 W (W = Weiterentwicklung) mit Scheibenbremsen vorne und vielen Detailänderungen produziert. Die Karosserie blieb unverändert.

 

Von der Fahrgestellnummer 17.20 932 an hatten die seit dem 14. Juni 1982 produzierten Fahrzeuge einen Registervergaser vom Typ Jikov 32 SEDR mit Ansauggemischvorwärmung (von der Umrüstung älterer Modelle wird abgeraten), neue Bremstrommeln hinten und H4-Scheinwerfer.

 

Vom 2. Januar 1984 an wurde ab Fahrgestellnummer 19.00 401 statt der bisherigen Ausführung „de luxe“ die Ausführung Wartburg 353 S (S = Sonderwunsch) produziert. Die Sonderausführung, bei der anders als beim Rallye-Fahrzeug 353 WR auf das W in der Bezeichnung verzichtet wurde, war gekennzeichnet durch mattschwarze PVC-Türfensterrahmen, Armaturenverkleidung mit Kunstleder in Holzmaserung, Kofferraumauskleidung, Nebellichtanlage (Nebelscheinwerfer und -schlusslicht), Zweiklangfanfare, Knüppelschaltung/Lenkradschaltung, heizbare Heckscheibe sowie einen Malimo-Cordbezugsstoff. Zudem wurden bei allen Modellen die bis dahin verchromten Karosserieteile schwarz plastpulverbeschichtet.

 

Ab Fahrgestellnummer 20.24 100 wurde bei den seit dem 30. Juni 1985 produzierten Fahrzeugen der bis dahin bei allen Vorgängern (einschließlich des DKW F9) hinter dem Motor eingebaute Kühler nach vorn verlagert. Die Karosserie erhielt deshalb ein neues Frontmittelteil ohne gesonderten „Grill“ mit geänderten Scheinwerfern.

(Auch die in Westdeutschland gebauten Nachfolger des DKW F9, die man unter Umständen als Schwestermodelle des Wartburg bezeichnen kann, wie bspw. DKW F12, F102 und Auto Union 1000 hatten den Kühler immer hinter dem Motor behalten.)

 

Die Produktion der Limousine endete mit der Einführung des neuen Modells Wartburg 1.3 im Herbst 1988. Die Ablösung der Kombiausführung Tourist erfolgte einige Monate später, sodass auch 1989 noch 1191 Fahrzeuge mit Zweitaktmotor hergestellt wurden.

Modellpalette

  • Limousine, viertürig
  • Kombi, viertürig („Tourist“)
  • Pick-up, zweitürig („Trans“)
  • Prototypen/Sonderfahrzeuge
  • Wartburg 355
  • Wartburg mit Gasturbinen-Antrieb
  • Wartburg Rallye Trans (Stückzahl: 3 (2 × Original/1 × Replika), siehe Link)
  • Wartburg 353 Rallye Duo, Prototyp mit zwei Motoren (Stückzahl: 1, siehe Link)
  • Wartburg 353 WR, Rallyefahrzeug nach dem Reglement der Gruppe B
  • Wartburg 353 W460, Rallyefahrzeug
  • RGW-Auto 610 M
  • Wartburg 360 (ähnlich dem Audi 80/Audi 100)
  • Wartburg 400 (Kübelwartburg für die NVA)
  • Wartburg 760 („Hängebauchschwein“)
  • Sondermodelle
  • MED-Notarzteinsatzfahrzeug des DRK der DDR im Bereich der Schnellen Medizinischen Hilfe (SMH), der Dringlichen Medizinischen Hilfe (DMH) und des Dringlichen Hausbesuchsdienstes (DHD) mit insgesamt rund 100 Fahrzeugen, davon vier im Dienst der Nationalen Volksarmee (NVA)
  • Melkus RS 1000

Produktionszahlen (1966–1989)

  • 1966–1975 Wartburg 353, 356.330 Stück
  • 1975–1989 Wartburg 353 W, 868.860 Stück

Technische Daten

  • L/B/H: Limousine: 4.220/1.640/1.495 mm; Tourist: 4.380/1.640/1.495 mm; Achsstand: 2450 mm
  • Motor: Zweitakt-Dreizylinder-Ottomotor, flüssigkeitsgekühlt
  • Hubraum: 992 cm³
  • Leistung: 33 kW / 45 PS (Typ 353) / 37 kW / 50 PS (Typ 353.1)
  • Drehmoment: 100 (bis 1986)/106 Nm bei 3000/min
  • Kraftstoff: Zweitaktgemisch 1:50, min 88 ROZ
  • Vergaser: Fallstromvergaser BVF-40, ab 1982 Registervergaser Jikov 32 SEDR
  • Getriebe: Viergangzahnradgetriebe/ein Rückwärtsgang, vollsynchronisiert
  • Freilauf in allen Gängen, manuell sperrbar
  • Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung mit Torsionsfeder, Typ: T 10-12K
  • Fahrwerk: Einzelradaufhängung, vorn getrieben, Felgen 13", Reifen 165-SR 13, 175/70 R13 oder 185-SR 13
  • Wendekreis: 10,2 m
  • Bremsen: feststellbare Handbremse, vorn Duplex- und Simplex-Trommelbremsen hinten (ab 1975 Scheibenbremsen vorn)
  • Akkumulator: 12 V/38 Ah (ab 1981)
  • Zündanlage: Unterbrecher, je Zylinder eine Zündspule; elektronische Zündung nachrüstbar
  • Elektroanlage: Gleichstromlichtmaschine 12 V/220 W, ab 1975 Drehstromlichtmaschine 12 V/588 W
  • Hauptbeleuchtung: ab 1978 H4-Halogenscheinwerfer 60/55 W
  • Kofferraum: 525 l (Limousine); L/B/H 1940/1300/860 mm (Tourist)
  • Gesamtmasse leer/Nutzmasse/Gesamtlast: Limousine: 920 kg/400 kg/1.320 kg; Tourist: 970 kg/440 kg/1410 kg

Automobilwerk Eisenach

Der VEB Automobilwerk Eisenach (kurz AWE) war ein Automobilhersteller im thüringischen Eisenach. Das 1896 als Fahrzeugfabrik Eisenach gegründete Werk wurde 1928 von den Bayerischen Motoren Werken AG übernommen und nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht. 1953 erhielt das Werk den endgültigen Namen VEB Automobilwerk Eisenach und produzierte ab 1955 den Wartburg. 1991 wurde das Unternehmen von der Treuhandanstalt geschlossen. Gleichzeitig eröffnete Opel ein Werk in Eisenach, das die Tradition der Autoindustrie in der Stadt fortführt.

Falls es jemand bis hier her geschafft hat und immer noch das Bedürfnis nach weiterem Wissen verspürt, dem sei die Wikipedia-Seite empfohlen.

Quellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Wartburg_(Automarke) - Stand: 7. Oktober 2018

https://de.wikipedia.org/wiki/Wartburg_353 - Stand: 12. Oktober 2018

https://de.wikipedia.org/wiki/Automobilwerk_Eisenach - Stand: 9. Oktober 2018